Rote Bohnen mit Iberischen Würsten


  • 600g rote Bohnen
  • 3 mittelgroße Zwiebeln
  • 2 Knoblauchzehen
  • ca. 200g Chorizo und Morcilla (oder ähnliches)
  • 1 TL Thymian
  • 1 TL Paprikapulver (mild + scharf)
  • Öl
  • Balsamico Essig
„Iberische Würste“ kommt Ihnen vielleicht als Kochanleitung etwas zu undeutlich vor (oder sollen wir „spanisch“ sagen?). Aber eine gewisse Unschärfe hat schon ihren Platz in diesem Metier. Erstens als kreativer Freiraum und zweitens arbeitet der Koch nun einmal mit Naturprodukten, und die sind nicht immer in einer vollkommen vorrausehbaren Qualität verfügbar.
„Iberische Würste“ kommen in meinem Fall von einer Krämerin, die sich in ihrem Marktstand hinter einer gekachelten Mauer verbarrikadiert hat und ihrem spärlichen Weinlager nach zu urteilen Portugiesin ist. Über der Mauer zieht sich eine fingerdicke Glasscheibe bis zur Decke und hinter der Glasscheibe strahlen meine „Iberischen Würste“. Meist namenlose, oder aber mit schlecht leserlichen Schildern gespickte Erzeugnisse, nach unerfindlichen und wöchentlich wechselnden Kriterien zu Bündeln gruppiert. Dabei finden sich langstreckte, dünne Exemplare mit glatter Haut und dicke, zu groben Haken gebogene. Die einen fast knarrend und von trockener Luft ausgedarrt und die andern von saftigen Fleisch federnd, das unter ihrer Haut erahnbar ist. Wir finden scharf gewürzte in verschiedenen Schattierungen von dunklem Orange und daneben Bündel von Würsten, deren Haut vom geronnenem Blut schwarz leuchtet - manche matt als wären sie mit Mehl gepudert und andere aufdringlich glänzend mit gelb leuchtenden Knötchen aus süßem Schweinefett.
Vor dieser Auswahl spielt sich regelmäßig ein schweigsamer Dialog ab. Ich versuche leicht genervt durch die Scheibe deutend, die gute Frau zu meinen Wunschwürsten zu leiten und sie packt mit mürrischem Blick zusammen, was sie für richtig hält. Vielleicht können ältere Portugiesinnen ja mit kochenden Männern grundsätzlich nichts anfangen, oder aber ich habe das Unglück mit einem besonders wortkargen Exemplar zu verkehren. Zuhause schnuppere ich dann - schon wieder versöhnt - durch meine Wundertüte aus Würsten, lasse die schlanken Körper durch die Finger gleiten - und neugierig den einen oder anderen Ring auf der Zunge vergehen. Der Rest kommt in die Roten Bohnen – die sind besonders dazu geeignet, eine ganze Bandbreite von namenlosen Würsten aufzunehmen, und zu einem harmonischen Gericht zu vereinen.

Bohnen über Nacht einweichen. Zwiebeln und Knoblauch zerkleinern, mit Öl in einer Kasserolle anbraten. Die Würste in ca 1.5 cm dicke Scheiben schneiden, in den Topf geben, Thymian, und Paprikapulver dazugeben und alles zusammen für einige Minuten dünsten lassen (immer umrühren, nicht anbrennen lassen!).. Die Bohnen hinzugeben, mit Wasser angiessen und für 60-90 Minuten kochen lassen, bis die Bohnen weich sind. Zum Eindicken ein paar Esslöffel rote Bohnen im Mixer zerkleinern und unter die Soße mischen. Am Schluss mit Salz und Essig abschmecken. Noch besser wird das Gericht beim Wiederaufwärmen; dann bildet sich eine dunkle, kräftige Soße, die herrlich vom Wurstaroma durchzogen ist!

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