Schüttelnusskuchen & Buttercreme




  • 300g Mehl
  • 180g Zucker
  • 150g gemahlene Nüsse
  • 80g dunkle Schokolade
  • 4 ganze Eier
  • 180g zerlassene Margarine
  • ½ TL Zimt
  • 1 Tasse Kaffee
  • Eine Prise Salz
  • 1 Packung Backpulver

  • Ganz ernst kann man das heute gar nicht mehr nehmen. Das Rezept stammt aus der Zeit der Tupperparties, tief zurück in den Siebzigerjahren, als die Deutsche Hausfrau, die unbeschadet durch die 68er-Zeit gekommen war, zumindest küchentechnisch eine kleine Revolution entfachen wollte. Geschäftstüchtige Alpha-Frauen hielten ihren Bekanntenkreis an, traditionelle Kaffeekränzchen zu Partys aufzuwerten, bei denen sie die neusten Errungenschaften auf dem Gebiet der Kunststofftechnologie präsentierten - und dann gleich Kistenweise verkauften weil das Zeug im Handel nicht erhältlich war und die Freundinnen über den nächsten Besuch der Tupperfrau im Unklaren gelassen wurden.


    So organisiert konnte man im Schneeballsystem innerhalb nur weniger Wochen einen ganzen Landkreis überrollen, gewissermaßen konspirative Zellen gründen und den Fortschritt bis ins beschauliche Hinterland tragen. Was in diesen Gruppen angeboten wurde war nicht nur funktional bahnbrechend – man denke nur an mit einem „pff“ hermetisch schließenden Schüsseldeckel – sonder auch gestalterisch: die Schüsseln sahen alle ein wenig nach „Raumschiff Orion“ aus und leuchteten in eigenartigen Grün- und Orangetönen, die sich heute noch leicht in der Tiefe der mütterlichen Küchenschränke ausmachen lassen. So ausgerüstet blieb man zwar hinter dem Herd, aber war doch irgendwie an der Spitze einer Bewegung.

    Was hat das jetzt mit dem Rezept zu tun? Bei den Treffen gab’s natürlich Kaffee und selbstgebackenen Kuchen – der hieß Schüttelnusskuchen und man konnte ihn wiederum nur mit der original Tupper-Kuchenschüssel herstellen, in dem man alle Zutaten in den Behälter gab, mit dem besagten Deckel abschloss und kräftig durchschüttelte (daher der Name!) - und als Nebennutzen sich eine Küchenmaschine sparte.

    Geschüttelt wurde bei uns zu Hause schon bald gar nichts mehr. Der Schüsseldeckel war eingerissen und meine Mutter dazu übergegangen, die Zutaten - frei von schädlichen Weichmachern - in einer Glasschüssel zusammenzurühren. Der Name blieb, und der Kuchen wurde zum Heimatkuchen schlechthin. Noch heute findet sich immer ein duftendes Exemplar in der Speisekammer (oder aber wurde extra kurz vor der Ankunft des Sohnes gebacken) und so richtig bin ich erst zu Hause angekommen, wenn ich am Kaffeetisch sitze und meinen Schüttelnusskuchen genieße. Wirklich abgenabelt habe ich mich auch erst gefühlt, als ich meinen ersten Schüttelnusskuchen gebacken hatte, der genauso aussah und schmeckte wie in meiner Erinnerung. Den hat übrigens mein kleiner Sohn, die Familientradition fortführend, in zwei Tagen verspeist!

    Wie gesagt, die Zutaten werden in beliebiger Reihenfolge, und unter Mithilfe beliebiger Utensilien, gemischt. Die Schokolade im Mikrowellenherd kurz aufschmelzen; das Backpulver am Besten erst am Schluss hinzugeben. Dann in eine Kuchenform füllen und ¾ bis 1 Stunde bei 180 bis 200Grad im Backofen backen.

    Dazu passt wunderbar eine ganz einfache Buttercreme, die Sie auf den Rezeptseiten von „Cosmopolitan“ oder „Elle“ wahrscheinlich vergeblich suchen: eine ungefilterte Mischung aus Butter, Zucker und Ei. Nicht wirklich „light“, sondern bedingungslos „fat“. Ein Grauen für Figurbewusste, aber einfach nur gut!
    • 2 ganze Eier oder 4 Eigelb
    • 250g Butter
    • 2 TL Maisstärke
    • 125g Puderzucker
    • ½ Vanilleschote
    Hier ist allerdings die Herstellung schon etwas aufwendiger: die Butter wird in einer Schüssel mit dem Handmixer schaumig gerührt und zur Seite gestellt. Die Eier in einem Wasserbad kräftig zerrühren und langsam erhitzen, den Puderzucker in kleinen Dosen dazugegeben und mit einem Schneebesen solange verrühren bis sich eine homogene, dünnflüssige Masse ergibt. Dann zwei Teelöffel Maisstärke (Mondamin) zugeben, und weiterrühren bis die Masse dickflüssig ist. Die halbe Vanilleschote dazugeben und beim Rühren die Vanillekörner auskratzen. Dann das Wasserbad vom Herd nehmen, weiter rühren und abkühlen lassen. Wenn die Zimmertemperatur erreicht ist, die Eier-Zucker-Mischung in die Butter geben und verrühren.

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